Vor einiger Zeit häuften sich in meiner Praxis Fälle von unheilbar kranken Tieren. Einige wurden in ihren letzten Stunden gebracht, ein Häschen starb sozusagen bei der Untersuchung. Am Anfang meiner Ausbildung zur Tierhomöopathin haderte ich mit der Entscheidung, nicht mehr Tiermedizin studiert zu haben. Nur als Tierärztin wäre es mir erlaubt, Tiere auch einschläfern zu dürfen. Nun bin ich froh, dass ich eben das nicht darf. Denn vielleicht hätte ich mich sonst nie soweit auf die Gefühlswelt der Tiere und der Tierbesitzer eingelassen.
Die Sterbebegleitung für eine Katze hat mich besonders geprägt: Bereits bei der Anamese (Befragung der Tierbesitzerin) wußte ich, dass es nur noch um Sterbebegleitung geht. Die Katze verweigerte bereits sieben Wochen jegliches Futter und sogar Wasser. Ich war sehr überrascht, dass sie noch leben konnte. Sie war bereits sehr alt und krank. Im Gespräch mit der Besitzerin stellte ich fest, dass eine sehr enge Verbindung zwischen den beiden vorhanden war. Zwei Tage lang begleitete ich die beiden mit Homöopathie und Gesprächen. Am Faschingsdienstag, fünf Uhr morgens, klingelte das Telefon. Die Besitzerin der Katze war besorgt. Nach der Beschreibung von Lillis Zustand mußte ich ehrlichkeitshalber die junge Frau mit der Wahrheit konfrontieren: Lilli geht jetzt. Etwa eine Stunde später sah ich in einem traumähnlichen Zustand, wie die Katze aus ihrem Körper ging, behütet und begleitet von einem Engel, der bei ihrem Körper wachte. Später erfuhr ich, dass genau zu der Zeit Lilli gestorben war. Die Besitzerin bedankte sich bei mir für die Begleitung. Doch ich bin zutiefst froh für diese Erfahrung, und dass ich ein wenig trösten konnte.
Für mich steht fest: Für Tiere ist sterben leichter als für Menschen, da Menschen an den materiellen Besitztümern haften. Außerdem lebt ein Tier in der Gegenwart und macht sich weniger Sorgen um Zukunft etc, so wie wir Menschen das gewöhnt sind. Wichtig finde ich in der Tier-Mensch Beziehung, dass der Mensch das Tier frei läßt. Die Bande zwischen Mensch und Tier können sehr eng sein. Oft kann ein Tier nicht sterben, weil die Besitzer die Tiere nicht loslassen. Sie haben Angst, etwas zu verlieren. Oder sie haben Angst um das Tier. Meine Meinung ist: Lassen Sie los. Lassen Sie dem Tier die freie Wahl. Heilung kann eben auch Tod bedeuten. Und Tod ist nur der Durchgang zu einem anderen Existenzzustand. Mit unseren Augen können wir die Tiere dann nicht mehr sehen, wir können nicht mehr kontrollieren, was mit unserem Schützling geschieht… Aber glauben Sie mir: Nach meiner Erfahrung bin ich felsenfest davon überzeugt, dass Tiere ebenso wie wir Menschen von höheren Wesen begleitet werden. Vertrauen Sie darauf, dass Ihr Tier immer in besten Händen ist.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen wundervolle Erfahrungen
Monika Stangl