13. Juni 2008

Milch – ein teures Gut?

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Vor der EM war der Milchstreik in den Medien aktuell. Er wurde vom BDM (Bund deutscher Milchviehhalter) organisiert. Zehn Tage lang hatten viele Landwirte die Milch ihren Tieren gefüttert beziehungsweise weggeschüttet, um damit auf die niedrigen Preise aufmerksam zu machen, die sie für ihre Milch erhalten.

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Der Sprecher des Einzelhandelverbands HDE, Hubertus Pellengahr, hatte laut einer Zeitung den Milchstreik mit folgenden Worten kritisiert: ”Milch wegzukippen, während Menschen hungern, ist ein Frevel und eine Riesensauerei. Der hohe Wert dieser Ware wird mit Füßen getreten”.

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Wenn man der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) oder der Werbung glauben will, hat Milch tatsächlich einen unermeßlich hohen Wert.

In den Ernährungsregeln der DGE  oder in der Werbung wird Milch als wertvolles Produkt vermittelt. Milch stärke die Zähne und Knochen unserer Kinder, beuge Osteoporose vor usw. Auch Snacks für Kinder werden unter dem Vorwand, besonders viel Milch zu enthalten, als besonders hochwertig angepriesen und verkauft.

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Als die Verbraucher sich von höheren Milchpreisen oder sogar von einem Milchmangel bedroht sahen, reagierten sie teilweise mit Hamsterkäufen – um nicht Gefahr zu laufen, auf das wertvolle Produkt verzichten zu müssen (wer weiß denn schon, dass man die Milch beim Bauern bekommen kann und nicht nur im Supermarkt) oder es teurer einkaufen zu müssen.

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Doch wenn die Milch einen so hohen Wert hat, wie Herr Pellengahr selbst zugibt – warum weigert man sich, den Landwirten einen entsprechenden Preis für die Milch zu bezahlen?

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Meine Meinung ist: Wenn man nicht genug für die Milch bezahlt, dann tritt man sie mit Füßen.

Nicht nur die Milch soll geschätzt werden, sondern auch die Arbeit und Energie, die dahinter steckt, muss geachtet werden. Die Landwirte, die jahraus, jahrein frühmorgens aufstehen, ihre Tiere füttern, melken, versorgen.

Könnten Sie sich vorstellen, jeden Tag, einschließlich Weihnachten, Neujahr, etc. morgens in Arbeitskleidung zu schlüpfen und diese Arbeit zu tun?

Ihre Freizeitaktivitäten nach den Bedürfnissen Ihrer Tiere auszurichten?

Als Hochzeitsgast die Feier am Nachmittag für einige Stunden zu verlassen, um Ihre Stallarbeit zu erledigen?

Eventuell mehrmals täglich bei einem kranken Kälbchen vorbeizusehen, um Gesundheitszustand und Wohlbefinden zu kontrollieren?

Schätzen wir eigentlich die Kühe, die wirtschaftlich ihre Lebensaufgabe darin haben, Milch für uns zu produzieren? Jährlich ein Kälblein gebären, damit sie Milch geben können und aus betriebswirtschaftlichen Gründen geschlachtet werden, wenn Fruchtbarkeit und Milchleistung nachlassen?

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Nun ist der Milchstreik vorbei - die Landwirte bekommen noch nicht mehr Geld für ihr Produkt. Doch ein Inhaber einer mir bekannten Eisdiele erhöhte den Preis für eine Kugel Eis von 70 ct auf 80 ct mit der Begründung: da die Bauern mehr Geld für die Milch wollen, sei der Rohstoff Milch so teuer, daher müsse er mehr fürs Eis verlangen.

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Laut Umfragen seien die Verbraucher bereit, mehr für die Grundnahrungsmittel zu bezahlen, wenn der Mehrpreis an den Landwirt ausgezahlt wird. Im Falle dieser Eisdiele zeigt sich, dass der Milchstreik von manchen Geschäftsleuten mißbraucht wird, um vom Verbraucher höhere Preise zu kassieren.

Der Zwischenhandel reibt sich die Hände – Erzeuger und Verbraucher haben das Nachsehen.

Wenn offen kommuniziert wird, sind mehr Gerechtigkeit für Landwirte und Verbraucher möglich.

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Bildquelle: http://www.pixelio.de/details.php?image_id=54206&mode=search

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